Die Erfüllung eines Traums

Helga de Alvear

Salem-Schülerin Helga de Alvear (Spetzgart 1950 - 1953) hat sich ihren Traum erfüllt: Am 25. Februar 2021 wurde unter Anwesenheit des spanischen Königspaars der Neubau des Architekturbüros Emilio Tuñón für das „Zentrum für Zeitgenössische Kunst“ in Cáceres eröffnet. Auf vier Stockwerken mit 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ergänzt der Neubau die Casa Grande (Arbeitsräume der Stiftung Helga de Alvear, Bibliothek, Workshops und zwei Räume für Wechselausstellungen), mit der das Zentrum 2010 startete. Ein drittes Gebäude wird als Lager und Archiv dienen.

Helga Müller (* 1936) kam nach Spanien der Sprache wegen und blieb wegen der Liebe: Sie heiratete 1959 den spanischen Architekten Jaime de Alvear, mit dem sie drei Kinder hat. Die Erbin der Rheinischen Kunststoffwerke erwarb 1967 ihr erstes Kunstwerk, ab 1980 arbeitete die Industriellentochter aus dem Hunsrück in der Galerie der Avantgardistin Juana Mordó in Madrid, welche sie 1984 übernahm, 1995 eröffnete sie eine Galerie unter ihrem eigenen Namen. Sie gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Händlerinnen für zeitgenössische Kunst in Madrid. Auch als Sammlerin war sie aktiv: 3.000 Arbeiten von 500 Künstlern von Picasso bis in die Gegenwart trug sie zusammen – der finanzielle Wert der Sammlung ist kaum zu schätzen, liegt jedoch jenseits von 150 Millionen Euro. Wie hoch der kulturelle Wert ihres Engagements einzuschätzen ist, davon berichtet das Bundesverdienstkreuz am Bande, welches sie 2014 für ihre Arbeit im kulturellen Austausch erhielt.

Nach Jahrzehnten des Sammelns war es ihr wichtig, dass ihre Sammlung zusammenbleibt: Der Staat zeigte kein Interesse, Museen garantierten keinen Zusammenhalt und der Gedanke, dass die Sammlung nach ihrem Tod auf Auktionen veräußert würde, war ihr ein Graus. So kam der Zufall zu Hilfe: Bei einem Essen in Cáceres kam sie mit dem Restaurantbesitzer ins Gespräch, der den Regierungspräsidenten der Estremadura kannte. Dieser bot der Sammlerin 2003 ein Grundstück sowie den Bau eines „Zentrums für Zeitgenössische Kunst“ an, welches 2010 eröffnet wurde – eine große Bereicherung für die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt mit ihren knapp 100.000 Einwohnern. Das Zentrum bietet wie von der Sammlerin gewünscht mehr als eine reine Präsentation. Es gibt Ausstellungen, Workshops und Vorträge, zu jedem Kunstwerk ist im Internet eine App verfügbar. Die Sammlung ging 2006 für 30 Jahre in den Besitz der Stiftung Helga de Alvear über, so kann sie noch Einfluss auf die Richtung des Zentrums nehmen. Im Anschluss wird die Sammlung an die Provinzregierung übergehen. 2020 spendete sie der Wissenschaft eine Million Euro, um einen Impfstoff gegen die Corona-Pandemie zu entwickeln. Auch Salem hat sie sehr gefördert, denn oft bedachte sie ihre ehemalige Schule mit großzügigen Spenden.

Marc Zirlewagen

Ihre Galerie findet ihr hier,
das Museo de Arte Contemporáneo Helga de Alvear hier.

Foto: Helga de Alvear, © Luis Asín (CC-BY-SA-3.0)

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